Waldbaden: kann mich der Wald gesund machen?

Beim Waldbaden ist Achtsamkeit gefragt

Die neue Stressbewältigung durch Achtsamkeit heißt Waldbaden

Ja, Sie lesen richtig: man badet im Wald. Taucht ein, ins dunkle Labyrinht der Stämme, schlendert achtsam über weiches Moos, verliert sich in Baumkronen am Himmel,  und produziert dabei so einen Haufen Glückshormone, dass sich automatisch der Blutzuckerspiegel reguliert und der Stresspegel ins Nirwana verschwindet. Einfach. Schön. Nicht wahr? Heikler wird es, wenn man sich die Angebote der Glückscoaches anschaut, die zwischen 40 Euro und 190 Euro für einen Waldspaziergang reklamieren. Das ist der Energieausgleich. Oder besser: Deine Investition in Dich! Damit es nicht ganz so banal wirkt, begleitet man das ganze mit Klangschalen Gebimmel, baut Yoga und Atemübungen ein. Atmen. Bloss das Atmen nicht vergessen. Warum muss man das den Menschen heutzutage immer wieder sagen?

Und jetzt kommen wir zum seriösen Teil des Artikels:

Waldbaden ist erwiesenermaßen gut für Psyche und Gesundheit

Es ist nämlich mehr als nur ein Waldspaziergang. Waldbaden wurde 1982 von der staatlichen japanischen Forstbehörde eingeführt  um einen gesunden Lebensstil zu fördern. „Baden in der Waldluft“ könnte man de Begriff „Shirin Yoku“ übersetzen. Und die Waldluft hat es in sich. Sie enthält Stoffe, die eine gesunde Abwehr unterstüzten können. Laut GEO Magazin geht es sogar soweit, dass die Körper von Menschen, die sich in einem Wald aufgehalten haben, mehr Killerzellen produzieren (Killerzellen sind die Abwehreinheiten des Immunsystems, die Krankheitserreger und eben auch potenzielle Tumorzellen bekämpfen). Nadelbäume produzieren nämlich Terpene, pflanzliche Duftstoffe, dank derer man sich im Wald entspannter und ausgeglichener fühlt. Angst und innere Unruhe verringern sich angeblich, das Gedankenkarusell wird unterbrochen und die Stimmung kann sich aufhellen.  In Japan ist das Waldbaden inzwischen sogar eine anerkannte Therapieform und die Waldmedizin ein etabliertes Forschungsgebiet an japanischen Universitäten (1, Quellangabe und Studien).

 

Anleitung zum Waldbaden

Es geht um das Erleben des Waldes mit allen Sinnen. Riechen, sehen, fühlen und nochmal fühlen. Je dichter und ursprügunglicher der Wald, desto besser kann man sich darin verlieren. Die schönsten Wälder habe ich in Estland gefunden. Für einen positiven Effekt auf die Gesundheit sollte man schon regelmäßg Waldbaden, daher schaut doch mal in eurer Umgebung nach einem schönen Wald. Vielleicht gibt es ja auch ein Angebot für Waldbaden in der Nähe, denn entgegen meiner etwas giftigen Einleitung macht es total Spaß mit einem erfahreren Coach an einem Waldbaden Kurs teilzunehmen. In der Gruppe ist das Erlebnis noch intensiver und man lernt worauf es zu achten gilt.

Schließe die Augen, höre das Rauschen der Blätter, fühle das saftige Moos unter deinen Schritten nachgeben, rieche das feuchte Laub. Wie fühlt es sich an? Vielleicht spazierst du sogar barfuß auf dem weichen Wadlboden.

 

 

Genau diese Sinne werden beim Waldbaden aktiviert und gestärkt. Keine Angst, es ist überhaupt nicht notwendig, sich beim Aufenthalt im Wald körperlich anzustrengen.  Dabei solltest Du langsam gehen, tief atmen und kannst den Waldboden fühlen und Bäume ertasten. Dir ist vollkommen freigestellt was Du machst, Hauptsache es fühlt sich richtig an und Du kannst währenddessen entspannen. Wenn Du Dich danach fühlst, kannst Du Dir auch ein schönes Plätzchen suchen, Dich mit einem Buch hinsetzen oder eine Hängematte aufspannen.

Du magst es doch ein kleines bisschen aktiver? Probiere doch mal achtsame Übungen aus dem Chi Gong, einfache Meditationen oder Atemtraining aus!

Auch wenn es keine Regeln oder eine feste Anleitung zum Waldbaden gibt, ist es wichtig, dass Du Dir genügend Zeit nimmst und Dir an diesem Tag keine wichtigen Termine einplanst. Langfristige Veränderungen in Deiner körperlichen und psychischen Gesundheit spürst Du am ehesten nach öfterem mehrstündigem Waldbaden. Japanische Forscher raten zu mindestens vier Stunden. Dabei reicht es schon einmal im Monat für einige Zeit im Wald zu sein.

Oder noch nur ein Waldspaziergang?

Ja und Nein. Ein gemütlicher Spaziergang im Wald reicht ja um zu entschleunigen und Deine Seele baumeln zu lassen. Meine Mutter liebte es zeitlebens ausgedehnte Waldspaziergänge zu machen. Selbst als es ihr gesundheitlich mit 85 Jahren nicht mehr toll ging, zog es sie immer in den Wald und wenn sie noch so gestresst hinein ging, sie kam entspannt und gelöst heraus. Als Kinder liebten wir es, Pilze zu sammeln, hier ist große Achtsamkeit gefragt. Später wurden Eicheln, schönes Herbstlaub oder Kastanien mitgenommen um allerlei Basteleien zu erfinden. Ich denke, wir haben damals ausgiebig im Wald gebadet und freue mich, dass Shinrin-Yoku mittlerweile auch in Deutschland angekommen ist und die Menschen wieder zurück in den Wald bringt. Mit Coach, Freunden oder allein. Für eine gute Gesundheit.

 

1 https://zelltuning.com/magazin/terpene-wald-gesundheit/

Waldbaden ist ein Trend, der aus Japan kommt. Eigentlich nichts Neues, denn auch in Europa gilt der Waldspaziergang als erholsam und gut für die Gesundheit. Der Unterschied zwischen Spaziergang und Waldbaden liegt in der Achtsamkeit - erlebe den Wald bewusst und mit allen Sinnen. Sehen, riechen, schmecke und fühlen beim Gehen, schlendern, Spazieren. Für einen positiven Effekt musst Du nicht stundenlang durch den Wald laufen. Bereits ein kurzer Aufenthalt im Wald kann helfen, dass du dich entspannst, Stress abbaust und so deiner Gesundheit auf die Sprünge hilfst. Es gibt keine Regeln und auch wenn der Begriff "Waldbaden" auf das japanische Shinrin Yoku zurückgeht kannst du es machen, wie du willst. Hauptsache du machst es achtsam.

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