Überall kalt, in Istrien herrscht Sommer

Die Westküste in Istrien mit Panorama Blick aufs Meer

Kitesurfurlaub im Herbst 2021: Holland oder wieder Leucate? Am Ende wird es Kroatien, genauer Istrien.

Und am Ende sind wir in Istrien gelandet und haben die Surfbretter im Auto gelasen. Warum? Weil es in den Niederlanden und an der Ostsee von Dänemark bis Fehmarn nur kalt war und die Windvorhersage ganz mies. Leucate finde ich für zwei Wochen zu weit (Berlin - Leucate) und die Campingplätze haben uns auf unserer Tour "Kitesurfen am Étang Leucate und La Franqui" keine Tränen der Begeisterung in die Augen getrieben (der Wind schon).

Nun aber zu Istrien an der Westküste um Umago herum

Sommer, bei gutem Timing und strammer Fahrt in einem Tag zu erreichen. Außerdem haben wir dort eine Freundin, die sich bei Labin ein Häuschen fürs Altenteil renoviert. Entscheidung gefällt, nix mehr gepackt, einfach losgefahren. Wir fuhren über Villach und dann durch Italien (Udine, Triest). Bei Dragonja über die Grenze, die istrische Westküste entlang bis zum Camping Finida, der ein gutes Stück südlich von Umago liegt. Auf der Hinfahrt legten wir einen Zwischenstopp direkt hinter der österreichischen Grenze ein, dies würden wir nicht mehr tun, denn das Verkehrsaufkommen am Sonntag in Österreich war unterirdisch und übelst nervig. Die Rückfahrt haben wir daher in einem Rutsch gemacht, herrlich, bei Nacht allein auf der Straße, was juckt mir da die Baustelle? Kann man natürlich nur zu zweit gell, und Nachahmung wird nicht empfohlen und geht auf eigenes Risiko.

Camping Finida, Novigard, Umago und die Beton-Strände

Badestelle mit Betonplatten am Strand in Istrien
Typischer Strandabschnitt an der Westküste von Istrien. Unsere erste Badestelle.

Eine Nacht gebucht und drei geblieben

Nachdem wir ein paar Campingplätze angefahren haben, landeten wir auf dem schönsten Platz an diesem Küstenstrich: Camping Finida. Wohlgemerkt, das ist meine persönliche und subjektive Meinung, wie auch dieser ganze Bericht meine persönlichen Erfahrungen schildet. Andere Camper mögen das anders sehen. Schade finde ich, dass auf so vielen Parkplätzen Wohnmobile verboten sind. Also nicht mal nur die Übernachtung, sondern gar das Parken von Wohnmobilen. Als freier Camper ist man wohl nicht so sehr erwünscht, wohl dagegen, wenn man sich auf den riesigen Anlagen niederlässt, die man dann höchstens mit dem e-Bike verlässt und dort sein Geld in die angebotenen Attraktion steckt. Ganz nach dem Motto: Erhol Dich! Sofort
Nun ja, an der Rezeption bei Camping Finida wurden wir sehr freundlich empfangen, es ist ein sehr kleiner gemütlicher Platz am Wasser unter Pinien. Wie fast überall in den touristischen Gegenden in Kroatien wurde hervorragend deutsch gesprochen. Und italienisch. Französisch. Russisch und diverse istrische Dialekte, wie wir im Gespräch erfuhren.

Wir suchten uns ein netter Plätzchen unter Pinien, durch die die Abendsonne leuchtete und wollten ins Meer springen. Das ist nun das Manko an dem Platz, wenn man ins Meer springen will, muss man entweder elend lang durchs Flache waten oder über die Promenade an den Felsen entlang und dann weit hinten eine Badestelle finden, ohne Seeigel oder scharfkantige Steine. Es gibt zwei oder drei betonierte Badestellen. Vieles ist hier betoniert. Dazu später. Das Wasser selbst ist glasklar und herrlich erfrischend.

Die Promenade, naja, ein kleiner Weg am Wasser entlang ist hübsch, hier sitzt man abends, entweder im Camping Platz Restaurant oder auf dem Mäuerchen. Das Restaurant ist gut besucht, denn klar, hier beobeachten man den kitschigsten Sonnenunterang bei Cevapcici mit Pommes, Fleischplatte mit Pommes, Fischplatte mit Pommes, oder Mangold Kartoffeln. Mangold ist hier DAS Gemüse.

Romantisches Abendrot an der Promenade von camping Finida
Romantisches Abendrot an der Promenade von Camping Finida

Fahrradausflug nach Novigard im Süden

Ausgeschlafen, teure Croissants im Bauch und voller Tatendrang, packen wir die Räder und sausen immer am Wasser entlang nach Novigard im Süden. Das ist total spannend, weil man durch die ganzen großen Campingplatz Anlagen kommt, zum Teil mit Mega Wasserrutschen, Beach Bars und betonierten Stränden. Genau. Der Zugang zum Wasser wird gerne in einer mehr oder weniger großen Betonfläche realisiert. Dazwischen sind romantische kleine Flecken, Kioske, an denen Aperol serviert wird und auch hier kann man herrlich kitschige Sonnenuntergänge erleben.

Unsere Tour führt plötzlich rasant den Berg hinab, mir graut schon vor der Rückfahrt, kein Wunder, dass hier das e-Bike Hochkonjunktur hat. Über eine große Dammbrücke gelangen wir in die Bucht hinter Novigard mit einer gemütlichen Beach Bar.
Den Abend verbrachten wir an der felsigen Strandseite und bemitleiden einen Vogel, der nur ein Bein hat. Oh, ne, er schläft ja nur auf einem Bein :-).
Drei junge Mädchen mit bunten Haaren machten Anstalten, auf der Platte zu schlafen, wir fragen sie prompt, ob man "heutzutage" denn noch am Strand "pennt", sie kicherten und sagten was von "Zelt in den Bäumen versteckt". Ich hoffe für die Girlies, dass sie einen bequemeren Platz zum Schlafen hatten, als die Betonplatte am Mäuerchen.

Fahrradausflug nach Umago im Norden

Auf diesem Abschnitt dominieren Attraktionen wie aufblasbare Wasser Hüpfburgen, Liegestuhl-Wüsten und Menschen mit Rollatoren das Bild. Ich bin hin und hergerissen denn einerseits finde ich es seelenlos, dass ständig von einer Attraktion zur anderen gehetzt wird, dass man immer diesen "Eerlebnisdruck" hat, andererseits ist hier halt auch einfach was geboten, man kann ne Menge machen.

Rollatoren und Seniorenheim Feeling

Ich kann mich hier nicht des Eindrucks erwehren, in einer Reihe von Sanatorien gelandet zu sein. Wo sind die jungen Leute? Wieso schiebt hier die Mehrheit der Gäste einen Rollator vor sich her? Wir suchen uns eine nette Kaffeterasse mit Blick auf meilenweite Betonstrände um bei einem Käffchen zu beraten, an welcher Stelle wir denn mal eine Badepause einlegen könnten. Allerdings sind wir mit den Fahrrädern unerwünscht und werden regelrecht davongejagt, als wir so unschlüssig am Rand der Terasse stehen und gerade eintreten möchten. Eigentlich ist außer uns nur noch ein Gast auf der Terasse und es wäre ja nett gewesen uns zu sagen, wo wir die Räder hinstellen könnten. Naja, am Ende waren wir nicht traurig, denn die nächste Badestelle, am Beach Velara, ist total schön, hier gibt es auch eine Beach Bar, Liegstühle  und ein "richtiger" Badeplatz ohne Beton oder ellenlange Einstiegshilfen in Form von langen Stangen, an denen man sicht festhält, um ins Wasser zu waten.

Wir lassen uns mit unseren Drinks auf einem Liegestuhl nieder und nach ner halben Stunde kommt auch schon der Abkassierer. Nirgendwo ein Hinweis auf kostenpflichtige Nutzung für Gäste des Hauses. Vermutlich bin ich noch hinterm Mond und weiß einfach nicht, dass nicht mal die Luft zum atmen gratis ist.

Dafür lohnte der Platz mit einem ganzen Nachmittag chillen und Strandleben. Plötzlich kamen zwei Schulklassen, die fast anderthalb Stunden lang Schwimmen übten. Zu allem Spaß hatten wir dann einen Platten und einer von uns musste den Rückweg joggend zurücklegen. Wer das wohl war...?

Unterwegs gab es noch ein echtes Highligt, in der Bucht gegenüber vom Camping Finida Richtung Umago auf Maps sieht man nur "Appartment Balladur", da ist eine malerische Ecke von einer Beach Bar mit guten Drinks und eigener Minze im Mojito. Eine lustige Gesellschaft unterschiedlichster Leute ließen sich vom Jürgen fotografieren, der es irgendwie schaffte, sich von jedem einladen zu lassen und alle zum Lachen zu bringen.

Foto-Mix von den Tagen an der Westküste

Bilder von der abendlichen Promenade auf dem Campingplatz und Fahrrad Ausflüge nach Novigard und Umago

Vrsar und die zweite Etappe

Immer noch an der Westküste fahren wir Richtung Süden mit Ziel Premantura. In Vrsar stoppen wir um uns auf dem Fischmarkt einzudecken. Das lustige Städtchen mit Kirche auf der Spitze eines Hügels lugt auf uns herab und macht Lust auf Fahrrad Erkundungstour. Geht auch nicht anders, denn Womos können nicht ins Städtchen, mit Straßen fast enger als in Granada. Dumm nur, dass auf den umliegenden großen Parkplätzen überall Womo Verbotsschilder sind. Was müssen die Istrier nur für schlechte Erfahrungen gemacht haben, dass sie zwar Riesen Campingplätze für Wohnmobilisten haben, diese sonst aber nirgends haben wollen. Wie dem auch sei, wir haben ja Fahrräder dabei, parken halt meilenweit draußen und strampeln zur Stadt und den Berg hinauf. Ganz oben sitzen wir dann in der Bar la Dorna und genießen den Blick über den Hafen. Wir schäkern mit Casanova, der in Bronze gegossen den Damen zuzwinkert. Der Fischmarkt lohnte sich, wir freuen uns auf zwei fette frische Doraden am Abend.

Und schon wieder "on the road", unterwegs bei Plondine, dem hiesigen Supermarkt, einkaufen, erstaunlich, was man hier alles für 20 € bekommen kann. Ein Abstecher führt uns bach Barber Rieger hier soll es  noch freie Stehplätze geben. Wir finden diese auf unwegsamen Gebiet, finden ein bisschen Hippie Feeling vor und haben nett gebadet. Zum Bleiben hat es uns nicht animiert. Rovinj und Pula lassen wir links liegen, obwohl ein Besuch auf dem Campingplatz jeden mrogen angepriesen wurde: Ein Typ auf dem Fahrrad kam an allen Plätzen vorbei: Wollen Bootstour machen, zwei Stunde Aufenthalt auf groooßem Markt in Rovinj, Frau schlafen und dann nochmal kommen und buchen. Was er mit dem letzten Satz genau meinte, will ich eigentlich gar nicht wissen. Der groooooße Markt sei ein Touri Nepp, wie wir erfuhren, aber der Markt in der Altstadt sei lohnenswert.

Jetzt suchen wir wieder einen Campingplatz in der Nähe von Banjole. Campsite Piccolo soll es werden, der hat aber leider ausgerechnet heute Saisonende. Das Auto kamp Peškera direkt neben an ist voll besetzt und man schickt uns zum Arena Indije Campsite. Hier stellen wir uns auf die Premium Plätze, eine schöne Wiese, leichter Blick zum Wasser und relativ freie Auswahl. Sehr cool ist, dass die Premium Wiese eigene Sanitäranlagen hat. Die Wiese selbst ist abschüssig, dafür gibt es in der Camping App ziemlich viel Mecker, juckt uns aber gar nicht, wir fahren auf die Blöcke und haben es schön.

Vrsar, der Casanova und ein weiteres Campingresort

Mit dem Paddelboot auf See und dem Rad nach Premantura

So, was kann man hier machen, auf dem neuen Camping mit Premium Platz? Die Erkundungstour ist schnell abgeschlossen, ein Restaurant eher unattraktiv mitten auf dem Platz in Hügellage unter Pinien und kaum Aussicht. Die versprochene Beach Bar, jaja, wir sind immer auf der Suche nach der Bar 😉 ist in Wirklichkeit ein Barhocker im zweiten Restaurant. Dieses ist hübsch weiß getüncht und macht einen noblen Eindruck. Entsprechend sollte man reservieren und wird zum Tisch geleitet. Am Wasser gibt es eine Tauchstation, ne Menge Tretboote und ein unglaublicher Vollmond.
Nach dem Frühstück pumpen wir ein Paddelboot auf und versuchen zwischen zwei Inseln aufs offene Meer hinaus zu kommen. Was für eine Überraschung, hinter einer schnurgeraden Linie tosen die Wellen, klatschen an die felsigen Inseln und drohen unser Boot zu kippen. So schnell wie wir umdrehen und mit der Welle zurück ins ruhige Gewässer gleiten kann keine Maus ein Loch finden. Nochmal drehen wir uns um, man sieht es nicht, auch draußen sieht alles ruhig und friedlich aus. Wir haben jedoch die Lektion gelernt und paddeln hinter den Inseln Richtung Premantura in die Fjorde rein. Ein warmer Regen macht die Stimmung ganz besonders und wir landen auf einer kleinen Insel, die über und über mit Steintürmchen versehen ist. Es duftet so stark nach Minze, man könnte Tee mit der feuchten Luft kochen.

Nun bin ich doch ziemlich ausgefroren und vergebe den vierten von vier Sternen (selber ausgedachte Skala) für die heiße Dusche, die richtig heiß kommt und auch nicht mehr aufhört, bis man den Hahn zudreht.

Banjole, Premantura und die Südspitze von Istrien

Die Riesenportion Spaghetti weckt Hummeln im Hintern, so packen wir die Räder und fahren trotz Regendrohung nach Premantura.  Premantura ist ein idyllisches Städtchen auf der, zum Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Halbinsel Kamenjak, im Süden der Region Istrien.
Auf einem Schotterweg geht es den Bergrücken hinauf. Wege verzweigen sich immer und immer und zuletzt wollten wir uns die fehlenden 650 Meter zum angeblichen Südpunkt sparen. Schon umgekehrt, entdecken wir ein Schild "Safari Bar". Inzwischen sollte hinreichend bekannt ein, dass das Wort "Bar" (im Gegensatz zum Wort "Stadt") eine magische Anziehungskraft auf uns ausübt.

Safari Bar

Die kultige Safari Bar am Kap Kamenjak mitten im Naturpark Premantura überraschte uns nun vollends. Eine liebevoll hergerichtete Bar mit verwunschenen Winkeln, romantischen Sitzecken mit Ausblicken aufs Meer, alles komplett in Bambushecken, Schilf und Prunkwinden eingewachsen. Bei heißem Wetter findet man hier angenehmen Schatten, wir konnten uns in den Schilfhöhlen vor dem Regen verstecken. Überall wurde ganz nebenbei Strandgut eingeflochten, knorriges Holz, olle Gegenstände, sogar Fahrräder von der Natur umwuchtert. Für Romantik-Liebhaber sehr geeignet. Außerdem gab es im Pippi Langstrumpf Stil abenteuerliche Spielplatz Ideen, zum Beispiel das Hamsterrad, die Massage-Rutsche oder ein schiefer Kreisel, der so schnell dreht, dass man beinah nicht mehr rauskommt.

Sehr positiv überraschte uns auch das kulinarische Angebot: selbstgemachte leckere Sangria, allerlei Essen zu moderaten Preisen (wo gibt ein Burger für 35 Kn?) und eine ehrliche Barfrau, die uns ganz entschieden vom Kult-Getränk, shoosh oder wuuusch oder habs vergessen, wie es hieß, abrät.

Bevor wir diesen herrlichen ort verlassen, erklimmen wir nochmal den Piraten-Ausguck über eine Strickleiter, wie es sich für echte Piraten gehört. Dann radeln wir verbotener Weise auf der Autostrape am Meer entlang. Haben wohl das Schild übersehen, lohnte sich aber mehr, als sich über den Schotterweg im Inneren zu kämpfen.

Im Mondlicht steigen wir dann auf dem Camping Arena zum Meer hinab und klettern über die Steine bis zum Bootsanleger Platz. Ein schöner langer Tag.