Reisebericht Baltikum

Saaremaa und Muu

Die kleine Fähre von Hiiumaa nach Saaremaa fährt zweimal am Tag, hier flutscht es nicht ganz so wie vorher, die drei Stunden Wartezeit verbringen wir jedoch mit einer sehr netten Fahrradrunde und einem Einkauf im Coop. Von allen Supermärkten im Baltikum ist mir der Coop am liebsten.

Die Einkaufsmöglichkeiten auf den Inseln sind eher gering. Man sollte sich entsprechend mit Vorräten (Wasser und Wein) eindecken.

Bilanz nach einer Woche mit dem Kemper unterwegs: drei T-Shirts, ein Rock eine Hose getragen.

Auf Saaremaa ging es an den äußersten südlichen Zipfel nach Sääre, wo es auch einen Leuchtturm gibt, den Sõrve Tuletorn.

Sehenswürdigkeiten auf Saaremaa

Unterwegs besichtigten wir die typischen Windmühlen bei Angla Tuulikud und einen Meteoritenkrater.

Mühlsteine bei den Windmühlen in Angla TuulikudEine Windmühle auf Saaremaa in Angla Tuulikumägi (Der Mühlenberg von Angla) Vier der fünf Mühlen in Angla sind für die Insel Saaremaa typische Bockmühlen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gebaut wurden. Ein Müller in der Angla Windmühle auf Saaremaa, der größten und schönste Insel Estlands Krater des Meteroriteneinschlages auf SaaremaaDer Osteopath Normen Wolke und Ursula Fischer vor dem Kaali Meteoriten KraterEin Wohnmobilstellplatz direkt am Meer mit kleinen Bäumen auf Saarema in der Nähe von Saare

Große Fahrradtour über Sääre Jämaja Rahuste und Läbara

Mit dem Fahrrad fuhren wir am nächsten Tag 50 km über die Insel Nase, die Hälfte davon unwegsame Schotterpiste durch dichten Märchenwald.

Auch hier halten wir Ausschau nach Bären, Wölfen und Elchen, werden aber nur mit Schafen belohnt.

Wer Einsamkeit sucht ist hier bestens aufgehoben.

Die ersten 22 km waren noch voll Spaß, bei 30 km fing ich an zu kämpfen, die letzten zehn dachte ich, ich sterbe! Und Normen flog auf seinem Mini Rädchen neben mir her wie ein Vögelchen.

Da wir unsere Vorräte nicht entsprechend aufgestockt haben, freuten wir uns sehr auf ein üppiges Mahl im Restaurant unter dem Leuchtturm. Dumm gekuckt haben wir, als es hieß, heute ist der Sommer und die Saison zu Ende und das Restaurant macht eine private Party. Hier gabs also nichts mehr, grade, dass ich noch zwei Glas Wein erbetteln konnte.

An diesem Abend kochen wir also Nudeln mit Dosenfisch vom Minimarkt. Er riecht verdächtig nach Katzenfutter aber wir genießen den Blick auf das Meer und den Leuchtturm. Wir stehen jetzt nicht mehr allein, in der Nische neben uns hat sich der estnische Verein der Diskuswerferinnen in Badenixen Outfit niedergelassen.

In der Nacht wurden drei riesige Feuer am Strand entzündet. Ich lese, dass das Sommer- und Saisonende am 31.08. (!) überall im Land mit den so genannten bonfires beschlossen wird.

Estnische Mentalität: soll ich grüßen oder nicht?

Man grüßt sich hier nicht so viel, eigentlich nie. Jeder ist auf eine neutrale Art und Weise für sich. Also nahmen auch unsere neuen Nachbarinnen an diesem einsamen Platz von uns Notiz ohne auch nur mal mit dem Kopf zu wackeln. Wenn ich da an unsere Wanderung in Südafrika denke, da kam man manchmal aus dem Hallo sagen nicht mehr raus. Ist halt anders hier, hat aber nichts mit (un)Freundlichkeit zu tun. Als Normen sieht wie die Grazien sich mit ihrem Geschirr im Meerwasser abplagen schenkt er Ihnen einen Von unseren zehn Glitzy Schwämmen… Sie freuen sich und stehen bei unserer Abfahrt breit löchelnd und winkend Spalier.

Auch hier fällt mir das allgegenwärtige bleiche Licht auf.

Die Sonne und das Meer von Saaremaa

Bilanz: Windsurf und Kitereviere

Saaremaa ist nicht zum Windsurfen und Kiten geeignet wegen der steinigen und schmale Strände. Wind hatten wir ja auch keinen. Der Spot auf Hiiumaa war nett, aber da es auch der einzige war, würde ich für einen reinen Surfurlaub Fehmarn vorziehen. Aber: wenn man das Surfen einfach so mitnimmt, hat man auf Hiiumaa und Saaremaa ein Paradies an Meer, Wahnsinns Urwald, Einsamkeit und Freiheit und mit Zeit und Geduld bestimmt auch mal ein Elch.

Stilles Wasser in blau und rose auf Saaremaa

Foto credit: Normen Wolke

Zarte Farben dominieren die Landschaft.

Was noch auf Saaremaa

Von Saaremaa fährt man über den Deich nach Muu und von dort mit der nächsten Fähre zum Festland.

Der Reiseführer lobt einen Besuch der Wikinger Grabstätte aber außer ein paar Bänken in Schiffsform und netten Holzfiguren gibt es hier nichts zu sehen. Wir sind ziemlich enttäuscht, denn wir haben uns auf ein spektakuläres Wikinger Schiff gefreut.

Ein Wikinger aus Holz gehört zu dem Wikingerschiffsgrab von Salme auf Saaremaa

Mögen sie ruhen in Frieden, die Wikinger von Saaremaa.

Für uns geht es weiter aufs Festland entlang dem Rigaer Meerbusen wo wir auf der Hinfahrt schon einen hübschen Platz mit wunderschönem Abendleuchten gesehen haben.

Fähre fahren

Da lässt doch der Typ von der Fähre die ganze Schlange fahren und stopt direkt vor uns! Wir müssen zusehen, wie alle anderen Pkw auf die Fähre fahren und die Fähre ohne uns ablegt. Was nicht wirklich schlimm ist weil Fähren alle 40 Minuten fahren.

Essen auf der Fähre

wir kommen also auch noch drauf und zwar als erste, so dass wir auch sofort ins Restaurant rennen können und die legendäre Fischsuppe mit Schmand bekommen. Danach mampfen wir noch zusammen einen Teller Schweinebraten mit Kraut und Kartoffeln. Wir kennen nämlich die Restaurants auf den Fähren hierzulande schon von der Überfahrt Hiiumaa nach Saaremaa und wissen, dass man am besten Einen Tag fastet damit man möglichst viel auf der Fähre essen kann. Es ist lecker und günstig.